Giulia Gwinn: „Ich ging einfach mit, damals noch in Turnschuhen.“

Die Mittelfeldspielerin des SC Freiburg gehört bereits mit 18 Jahren zu den wichtigen Stützen im Bundesligateam und feierte im vergangenen November ihr Debüt im Nationaldress.

Giulia, Du giltst als eines der größten Talente im deutschen Frauenfußball. Wie hat es mit dem Fußball bei Dir begonnen?

Giulia Gwinn: Ich habe mit acht Jahren angefangen, Fußball zu spielen. Eigentlich wollte ich das schon seit dem Kindergarten, aber meine Mama war zunächst dagegen. Ich sollte mehrere Sportarten ausprobieren und hatte mich deshalb erst im Handball, im Taekwondo und im Kunstradfahren versucht. Aber nebenbei kickte ich trotzdem immer mit meinen Brüdern und ihren Freunden. Der Sportplatz war zum Glück direkt neben unserem Haus. Beim Besuch einer Schulfreundin musste diese dann ins Fußballtraining – und ich ging einfach mit, damals noch in Turnschuhen. Ich war so begeistert, dass meine Mutter merkte, wie wichtig das für mich war und zustimmte, dass ich damit weitermache. Heute ist sie mein größter Fan und sehr stolz auf mich.

Du wurdest von Trainern und Verantwortlichen der ersten und zweiten Bundesliga zur Newcomerin der bisherigen Bundesliga-Saison gewählt. Was bedeutet Dir diese Auszeichnung?

Zunächst muss ich sagen, dass tolle Leistungen immer nur mit einem tollen Team möglich sind. Und so ein Team haben wir in Freiburg. Aber klar ist auch: Diese Auszeichnung macht mich stolz. Ich begreife sie als persönliche Wertschätzung, die mir zeigt, dass ich auf dem richtigen Weg bin und meine unermüdliche Arbeit honoriert wird. Zugleich nehme ich sie als enormen Ansporn, mich stetig weiterzuentwickeln.

Seit vergangenen November bist Du auch A-Nationalspielerin. Welche Eindrücke hast Du vom ersten Spiel mitgenommen?

Wie viel Zeit haben wir? Nein, im Ernst: Dieses Datum, 24. November 2017, werde ich nie vergessen. Jeder Moment war für sich besonders. Die Ansprache, das Aufwärmen, die Einwechslung. Es macht einfach Spaß, Teil einer so professionellen und spielerisch starken Mannschaft zu sein. Das Tempo ist enorm hoch. Mich hat besonders beeindruckt, wie freundlich und offen ich von allen empfangen und aufgenommen worden bin. Das hat mir Sicherheit gegeben. Mein Trikot habe ich als Erinnerung in einem Rahmen in meinem Zimmer an die Wand angebracht und es mit dem Datum meines ersten Länderspiels versehen. Es hält mir von nun an jeden Tag vor Augen, was man alles erreichen kann, wenn man bereit ist, hart zu arbeiten.

Was ist Dir bei Deiner Einwechslung durch den Kopf gegangen?

Ich hatte nicht wirklich damit gerechnet, dass ich Spielzeit bekomme und hatte deshalb auch keine Zeit, mir richtig viele Gedanken zu machen. Vielleicht war das auch ganz gut so (lacht). Natürlich erhöhte sich dann aber mein Puls, als mich Steffi Jones plötzlich zu sich rief. Ab diesem Moment lief es ein bisschen wie im Film ab: Plötzlich stand ich auf dem Platz, plötzlich wurde ein Traum wahr.

Der SC gehört mittlerweile zu den Top-Teams der Liga. Gibt es ein „Breisgauer Erfolgsgeheimnis“?

Geheimnis klingt so mysteriös. Es mag banal klingen, aber was unsere Mannschaft auszeichnet sind sicherlich die nicht nur geäußerten, sondern gelebten Werte wie Teamspirit, Vertrauen, Wille, Leidenschaft und die Bereitschaft, immens hart zu arbeiten. Der Verein setzt zudem stark auf junge Spielerinnen, was auch für meine Entwicklung sehr förderlich ist. Letztendlich kannst du dich nur entfalten, wenn du dafür auch den Platz bekommst.

Nun lebst Du den Traum einer jeden Fußballerin. Was ist für Dich das Tollste am Leben als Bundesliga- und Nationalspielerin?

Ich kann jeden Tag das machen, was mir am meisten Spaß macht: Fußball spielen. Ich bin einfach mit Leib und Seele Fußballerin. Man kann schon sagen: Ich lebe meinen Traum. Und das Schöne ist: Er hat gerade erst begonnen.

Bitte vervollständige folgenden Satz: „In drei Jahren werde ich mit dem SC Freiburg…“
…immer noch extrem dankbar dafür sein, schon so früh das Vertrauen in mich gesteckt und mir damit die Möglichkeit eröffnet zu haben, Bundesliga- und Nationalspielerin zu werden.“

 

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