Kamerun mit Unverständnis

Beinahe kam es bei Kameruns zweiter Achtelfinal-Teilnahme einer Frauen-WM zum Eklat. Doch auch so sorgten die Entscheidungen des Schiedsrichtergespanns für reichlich Ärger bei den Afrikanerinnen.

Beinahe hätte Kamerun bei seiner zweiten Achtelfinal-Teilnahme einer Frauen-WM für einen Eklat gesorgt – doch auch so sorgten die Entscheidungen von Schiedsrichterin Qin Liang aus China und Videoschiedsrichter Bastian Dankert für reichlich Ärger bei den Afrikanerinnen. Erst entschied sie auf indirekten Freistoß im Strafraum nach einem angeblichen Rückpass einer Kamerunerin – eine strittige Entscheidung, doch Englands Kapitänin Steph Houghton drosch den Ball humorlos zum 1:0 in die Maschen des Afrika-Cup-Dritten (14.).

Die Stimmung im Stadion war fortan erst recht für den Außenseiter aus Afrika, und kippte, als Liang Ellen Whites 2:0 (45.+4) wegen Abseits abpfiff – und sich aber von Dankert im Pariser Videoraum umstimmen ließ: Die Stürmerin war auf gleicher Höhe. Die Kamerunerinnen verstanden die Welt nicht mehr und wollten nicht mehr anstoßen, ließen sich aber von ihrer Kapitänin Gabrielle Onguene umstimmen. Vier Minuten nach Wiederanpfiff verstanden die unbezähmbaren Löwinnen aus Afrika die Welt erst recht nicht mehr, als ihr Anschlusstreffer aberkannt wurde: Dankert gab den Hinweis, dass Gaelle Enganamouit bei ihrer Vorlage auf Ajara Nchout im Abseits stand – knapp, aber korrekt.

Es fehlte nicht mehr viel, und Kamerun wäre in die Kabine gegangen – man fühlte sich ungerecht behandelt. Ein nicht gegebener Elfmeter nach Videobeweis für England – den es durchaus hätte geben können – und eine mögliche, nicht gegebene Rote Karte gegen eine Kamerunerin in einer wilden Schlussphase, in der es die Afrikanerinnen verpassten, nach dem 3:0 durch Alex Greenwood (58.) das Spiel vom Ergebnis knapper zu gestalten, brachten keine Besserung. Nüchtern betrachtet waren bis auf die erste Entscheidung zwar alle knapp, aber korrekt. Die Kamerunerinnen hätten ihre Energie besser in ihr Spiel auf dem Feld gesteckt, um mit einer besseren Leistung den Favoriten aus England in Schwierigkeiten zu bringen, waren so aber in doppelter Hinsicht (schlechte) Verliererinnen.

Das Echo auf den Tribünen und unter den Journalisten war geteilt, so unglücklich und knapp die Partie gegen Kamerun lief, so heftig die Emotionen der afrikanischen Anhänger und Journalisten. Hinterher kamen nur nur acht Kamerunerinnen in die Mixed Zone, wie ein Volunteer dem FFussball Magazin bestätigte – dem widersprach Coach Alain Djeumfa vehement auf der Pressekonferenz. Laut FIFA-Regularien müssen alle Spielerinnen den Journalisten in der Mixed Zone nach einem Spiel Rede und Antwort stehen. Nur Raissa Feudjio redete mit den Journalisten überhaupt und sprach von einer „Schande“ des VAR, der „gegen uns afrikanischen Teams agiert – das ist mein Eindruck“. Ihr Coach, erst kurz vor dem Turnier zum Cheftrainer aufgestiegen, erklärte: „Die Schiedsrichterin hat sich heute sehr geirrt – jeder soll sich selbst ein Bild machen. Die erste Entscheidung, der Freistoß gegen uns war ein Missbrauch des VAR. Wir haben aber weitergespielt, weil wir Kameruns Farben weltweit vertreten.“

Paul Schönwetter

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