Schicksalsspiel auf der Alm

Das Testspiel heute in Bielefeld gegen Frankreich (17.58/ARD) wird für Steffi Jones entscheidend sein, ob sie weiterhin Bundestrainerin bleibt. Nach einem schlechten Jahr für die DFB-Frauen gibt es auch erstmals Kritik aus der Mannschaft.

DFB-Präsident hat das kommende Testspiel gegen Frankreich in Bielefeld für Bundestrainerin Steffi Jones als „Schicksalsspiel“ ausgerufen, sprach von einem „Gradmesser“. Erstmals gibt es auch Kritik aus der Mannschaft. Dort scheint – zumindest vereinzelt – der Rückhalt in Jones’ Team zu bröckeln. Nach dem Rückspiel des VfL Wolfsburg in der Uefa Women’s Champions League verschaffte Lena Goeßling ihrem Ärger über die Nichtnominierung Luft.

Auf Plakaten und DFB-Werbekampagnen für das Spiel war Goeßling noch als Gesicht eingebunden wurde dann aber nicht nominiert für den Härtetest in ihrer Heimatstadt Bielefeld. „Das ist respektlos mir gegenüber“, schimpfte die 97-malige Nationalspielerin, „das habe ich so nicht verdient.“ Es mache es „noch krasser“, dass sie Jones nicht bei deren „Schicksalsspiel“ helfen könne. Goeßling, immer wieder von Verletzungen geplagt, schloss einen Rücktritt aus der Nationalelf nicht aus: „Jetzt mache ich mir meine Gedanken, ich lasse das offen.“ Jones nannte ihr als Grund für die Nichtnominierung der Defensivspielerin fehlerhaftes Verhalten in der Defensive. Verständnis zeigte Goeßling dafür wenig: „Ich bringe im Verein meine Leistung und habe mich nach einer langen Verletzungspause zurückgekämpft – dann zu hören, dass mein Defensivverhalten nicht akzeptabel genug ist, kann ich nicht nachvollziehen.“ Ihr Verein stellte sich hinter seine Defensivspielerin, verlängerte die Tage den Vertrag. Es gibt aber viele Stimmen aus dem Mannschaftsumfeld, die die öffentliche Kritik der Wolfsburgerin als falsch empfinden. So auch Tabea Kemme, die in „Fussball Bild“ erklärte: „Ich hätte eine andere Reaktion gezeigt. Und mich eher selbst hinterfragt.“

Die Reaktion von Jones fiel sachte und möglichst diplomatisch aus: „Es gibt leider immer wieder Situationen, dass man als Trainerin unpopuläre Entscheidungen treffen muss. Über den Kader der Frauen-Nationalmannschaft entscheidet alleine die Bundestrainerin. Diese Entscheidung habe ich mit meinem Trainerteam aus sportlichen Gründen getroffen. Und diese Gründe habe ich Lena in einem persönlichen Gespräch erläutert“, erklärte sie. Bloß nicht vor dem alles entscheidenden Spiel auf den Tisch hauen. Doch hätte sie als Chefin nicht mehr Autorität zeigen müssen? So oder so: Jones hat zurzeit einen enorm schweren Stand, sie kann einem fast leid tun. Egal, wie sie reagiert, es wird ihr negativ ausgelegt. Lina Magull, Hasret Kayikci und Simone Laudehr und kurzfristig Melanie Leupholz fallen aus. Nachnominieren wollte die Bundestrainerin nicht.

Die Nichtnominierung nur ein weiterer Nebenkriegsschauplatz zur Unzeit für Jones. Schon vor der EM zeigten viele Unverständnis über die Nichtnominierung von Pauline Bremer, damals noch Olympique Lyon, oder ihrem Festhalten bei den EM-Spielen an einer schwachen Anja Mittag. Aus dem Olympiasieger von Rio ist ein verunsicherter Haufen geworden. Auf dem Platz wirkt das Team gemessen an seinen Fähigkeiten zu selten als Mannschaft, es schaut so aus, als mangele es an einem Plan B – Spielerinnen sind oft auf sich alleine gestellt.

Nun wird es darauf ankommen, ob die nach der Niederlage gegen Island im Oktober viel zitierten Begriffe „Peitsche“ und „Rote Ampel“ umgesetzt werden konnten. Bei ihrem Amtsantritt hatte Jones jede Menge Ideen und Pläne – zu viele, wie es sei. Kommunikativer, authentischer, flexibler, variabler sollte es neben, aber auch auf dem Platze zugehen.
Hinter den Kulissen des DFB soll es brodeln. Dem unerwartet frühen EM-Aus folgte zwar eine Analyse, doch einige Punkte blieben offen. Warum zum Beispiel holte Jones sich keinen zweiten Assistenztrainer oder trainerin an ihre Seite? Ob Jones das Team tatsächlich zur WM, sollte die Qualifikation gelingen, führen darf, hängt vom Auftritt gegen den Gastgeber 2019, Frankreich, ab, weniger vom Ergebnis. So perfide der Begriff „Schicksalsspiel“ auch klingen mag, als Trainerin steht Jones nun mal im Fokus. Interessant wird sein, mit welcher spielerischen Idee und taktischen Philosophie sie ihre Spielerinnen auf den Platz schickt. Zuletzt war eine Rückkehr zum 4-2-3-1-System von Vorgängerin Silvia Neid und verschiedene misslungene Varianten aber kein klarer Roter Faden oder eigene Handschrift zu erkennen, ein Schlingerkurs.

Jones sei bereits strenger geworden, betonte Alex Popp dem „Westfalen-Blatt“ gegenüber, doch „das Mittelmaß ist entscheidend“. Genau dieses Mittelmaß könnte zu spät kommen, wenn Jones es überhaupt findet oder gefunden hat. Eine Entlassung wäre übrigens ein Novum in der Geschichte der DFB-Frauen, all ihre Vorgängerinnen und Vorgänger traten aus eigenen Stücken zurück.

Von Paul Schönwetter

Die weiteren Spiele heute und in den kommenden Tagen:

24.11.2017 02:00 Kolumbien Venezuela 2:0 (1:0)
13:00 Malta VA Emirate -:-
15:00 Jordanien Japan -:-
17:58 Deutschland Frankreich -:-
25.11.2017 11:00 Thailand Neuseeland -:-
26.11.2017 Äquatorialguinea Komoren -:-
00:00 Chile Brasilien -:-
03:00 Costa Rica Mexiko -:-
06:30 Australien China -:-
09:30 Malta VA Emirate -:-
27.11.2017 Türkei Jordanien -:-
Venezuela Kolumbien -:-
21:00 Frankreich Schweden -:-
28.11.2017 Chile Brasilien -:-
Thailand Neuseeland -:-
Dezember
08.12.2017 Japan Südkorea -:-
China Nordkorea -:-
Nordkorea Südkorea -:-
Japan China -:-
15.12.2017 Japan Nordkorea -:-
Südkorea China -:-
In : Allgemein
Die Saison starten mit uns!
News – powered by womensoccer.de