Champions League: Druck für deutsche Teams

Die UEFA Women’s Champions League startet. Die beiden deutschen Vertreter erwarten gleich im ersten Spiel schwere Aufgaben.

Als Ende August DFB-Präsident Reinhard Grindel August erklärte, der deutsche Frauenfußball dürfe sich nicht mehr ausruhen, weil die Konkurrenz im Ausland immer stärker werde, war das mehr als eine Warnung. Eine Entwicklung, die nicht ganz neu ist. Doch die beiden deutschen Vertreter der UEFA Women’s Champions League – Meister VfL Meister und der Bundesligazweite FC Bayern München – sollten ihre Aufgaben im Sechzehntelfinale ernst nehmen.

Denn das historische Viertelfinalaus gegen die französischen Finalisten Paris St. Germain und Olympique Lyon und ein erstes Halbfinale seit zehn Jahren ohne deutsche Beteiligung soll sich nicht wiederholen. Dazu das Ausscheiden der DFB-Elf bei der EM im Sommer lässt die Alarmglocken klingeln. Auch VfL-Sportdirektor Ralf Kellermann, Ex-Coach in Wolfsburg, warnte in der Vergangenheit, dass der deutsche Frauenfußball den Anschluss nicht verpassen dürfe. Die Konkurrenz ist größer geworden, ein Durchmarsch der deutschen und französischen Teams im internationalen Wettbewerb ist längst nicht mehr selbstverständlich. Zwar bleibt Vorjahresgewinner und Rekordchampion Lyon Topfavorit, auch weil sie den zweiten französischen Verein, Debütant Montpellier HSC, am vergangenen Samstag auswärts mit 5:0 deklassierten. Aber das gute Abschneiden in der vergangenen Saison von Manchester City und Barcelona (beide Halbfinale) beispielsweise kam nicht ganz so überraschend und könnte ein Fingerzeig für die Zukunft – vielleicht gar für die Gegenwart sein.

Deren Konkurrenten in der Liga sind am Mittwoch (Rückspiele eine Woche später) nun die Gegner der beiden deutschen Teams: FC Chelsea Ladies FC, zweimal zuvor an Wolfsburg gescheitert, empfängt Vizemeister Bayern (20:05 Uhr) und die Wölfinnen reisen nach Madrid zu Atletico (19:30 Uhr). Dass die englische und spanische Liga im Aufwind ist, beweisen die Investitionen einzelner Vereine und die Wechsel von Spitzenstars in die jeweiligen Teams.

Atletico Madrid, diese Saison noch ungeschlagen, wurde Meister und löste Barca ab. Zwar ist in Madrid nicht mehr Genoveva Anonma unter Vertrag (laut Informationen von FFussball aus disziplinarischen Gründen), doch tummeln sich einige spanische Nationalspielerinnen auf dem Platz. Und Chelsea neben englischen wie internationalen Stars auch mit der aus Wolfsburg bekannten Schweizerin Ramona Bachmann legte in der englischen Super League einen Traumstart hin. Zwei Spiele, zwei Siege, 12:0 Tore.

Trotz der Drohszenarien eines frühen Aus bleiben die Spielerinnen der deutschen Vereine selbstbewusst. Wolfsburg ist in der Liga noch ungeschlagen und gegentorlos. Ziel bleibt am 24. Mai 2018 das Finale in Kiew: „Mein großes Ziel ist es, ins Finale einzuziehen und das dann zu gewinnen“, sagt Wolfsburgs isländische Nationalspielerin Sara Björk Gunnarsdottir. Bayern-Trainer Thomas Wörle zeigt vor dem Spiel im Kingsmeadow Stadium öffentlich ein wenig mehr Skepsis: „Ich denke, das ist die ausgeglichenste Paarung der ersten Runde. Das werden zwei hochinteressante und enge Spiele. Wir freuen uns jetzt schon sehr darauf.“ Er bezifferte ein Weiterkommen auf „50:50“. Im Sommer schlug man Chelsea in einem Testspiel immerhin 3:0. Verzichten muss Wörle aber auf einige Spielerinnen: Es fehlen verletzt neben Jovana Damnjanovic, Sydney Lohmann, Viktoria Schnaderbeck, Mandy Islacker, Anna Gerhardt und Lena Lotzen kurzfristig auch die erkrankte Torfrau Tinja-Riikka Korpela.

Die Fans dürfen sich auf zwei spannende Spiele freuen. Ganz in die leere Röhre schauen, wie zwischenzeitlich befürchtet, müssen sie dabei nicht. Zumindest die Hinspielpartie zwischen Chelsea Ladies und Bayern München überträgt Sport1 am Mittwoch. Der deutsche Vizemeister und der Sportkanal haben bei Pokalspielen einen Exkluvivvertrag. Eurosport hingegen überträgt lieber ein Snookermatch als das Hinspiel der Wolfsburgerinnen. Bleibt für alle Fans nur zu hoffen, dass der Sender durch ein Weiterkommen noch die Chance für eine kommende Übertragung erhält.

Paul Schönwetter

Alle Spiele im Sechzehntelfinale

Im Sechzehntelfinale greifen die Vertreter der stärksten Verbände sowie der Titelverteidiger in den Wettbewerb ein. Für die Auslosung wurden die 32 Mannschaften gemäß ihrem Klub-Koeffizienten in zwei Lostöpfe eingeteilt, Mannschaften aus Topf eins haben im Rückspiel Heimrecht. Weiterhin galt, dass in dieser Runde keine Mannschaften desselben nationalen Verbandes gegeneinander gelost werden konnten.

Gesamt Hinspiel Rückspiel
UMF Stjarnan  Island Russland  FK Rossijanka 05.10. 11.10.
AC Florenz  Italien Dänemark  Fortuna Hjørring 04.10. 11.10.
Apollon Limassol  Zypern Schweden  Linköpings FC 04.10. 11.10.
HSC Montpellier  Frankreich Russland  Swesda 2005 Perm 04.10. 11.10.
BIIK Kazygurt  Kasachstan Schottland  Glasgow City LFC 04.10. 12.10.
Gintra Universitetas  Litauen Schweiz  FC Zürich 04.10. 11.10.
Atlético Madrid  Spanien Deutschland  VfL Wolfsburg 04.10. 11.10.
Lillestrøm SK Kvinner  Norwegen Dänemark  Brøndby IF 04.10. 11.10.
Ajax Amsterdam  Niederlande Italien  ACF Brescia 04.10. 11.10.
SKN St. Pölten  Österreich England  Manchester City 04.10. 12.10.
FC Chelsea  England Deutschland  FC Bayern München 04.10. 11.10.
FK Minsk  Weißrussland Tschechien  Slavia Prag 04.10. 11.10.
Medyk Konin  Polen Frankreich  Olympique Lyon 04.10. 11.10.
PAOK Thessaloniki  Griechenland Tschechien  Sparta Prag 04.10. 11.10.
CFF Olimpia Cluj  Rumänien Schweden  FC Rosengård 05.10. 11.10.
Avaldsnes IL  Norwegen Spanien  FC Barcelona 04.10. 11.10.
In : Allgemein
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