Trainerrauswurf beim FFC

Der 1. FFC Frankfurt hat seinen Cheftrainer Matt Ross nach nur drei Spieltagen in der Frauen-Bundesliga entlassen, wie der Verein am Donnerstagabend vermeldete. Der langjährige Co-Trainer Kai Rennich leitet vorerst das Mannschaftstraining. „Es war der richtige Zeitpunkt, etwas zu verändern, frischen Wind reinzubringen“, erklärte FFC-Manager Siegfried Dietrich, „denn ich rechne mir aus, noch Siege einzufahren.“ Zuletzt habe er eine Stagnation im Team bemerkt in den letzten Spielen, „gerade in den zweiten Halbzeiten“. Ross war für eine Stellungnahme vorerst nicht zu erreichen.

Nachdem sein Vorgänger Colin Bell am 1. Dezember 2015 den Verein verließ, wurde Ross erst Interim- ab Februar 2016 Cheftrainer. Zuvor hatte der 39-Jährige seit 2013 verschiedene Tätigkeiten im Verein ausgeübt. Ross hatte unter anderem als U17-Übungsleiter, Co-Trainer und Videoanalyst gearbeitet. Verlängert wurde sein Vertrag bis 2018 im September vor einem Jahr.

Die Beziehung zwischen Team und Trainer soll nicht immer die beste gewesen sein. Immer wieder gab es Vorwürfe aus der Mannschaft, die Kommunikation mit Ross sei mangelhaft, erst nach einigen Deutschkursen in der Sommerpause sprach der Australier Deutsch mit seinen Spielerinnen. Langjährige Stammkräfte wie die Verteidigerin Peggy Nietgen oder Mandy Islacker verließen den Verein auch, oder gerade wegen des Trainers. Nietgen sprach gar von „Mobbing“ gegen sie, mehrfach kritisierten Spielerinnen Arbeit und Kommunikation des Trainers öffentlich. Wie die „Bild“ im Frühjahr berichtete, beschwerte sich eine Gruppe von fünf Spielerinnen – darunter Islacker – bei Dietrich über das schlechte Training. Dinge, die laut Dietrich aber keine Rolle bei der Trennung gespielt haben.

Sehr wohl aber, dass keine Entwicklung der Mannschaft zu erkennen ist. Dem FFC fehlt derzeit spielerisch wie taktisch ein klar erkennbares Konzept, die Niederlage am vergangenen Sonntag gegen Sand deckte über weite Strecken große Schwächen und Misskommunikation innerhalb des Teams auf. Dietrich bezeichnete am Sonntag die dargebotene (Nicht-)Leistung als „Rückschritt“ für das Team, das „mehr beißen müsse“.

Trotzdem ist der frühe Zeitpunkt der Entlassung trotz des schlechten Auftritts beim 1:2 gegen den SC Sand überraschend, wenige Tage vor dem Auswärtsspiel beim FF USV Jena. „Die Saison ist noch lang Und gegen Jena ist das nächste Spiel – da will ich Punkte mitnehmen“, begründete Dietrich den Zeitpunkt. Klingt fast so, als halte er dies mit Ross nicht für realistisch. Die Suche nach einem Nachfolger läuft bereits, Dietrichs Wunsch wäre es „bis zum Sonntag eine Lösung präsentieren zu können. Am liebsten einen Motivator, der zusätzliche Begeisterung ins Team bringen kann.“

Paul Schönwetter

In : Allgemein
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