Däninnen streiken!

Der Vizeeuropameister lässt das Testspiel gegen die Niederlande platzen – solange der Verband keine höheren Prämien zahlt.

Die Webseite des dänischen Verbandes DBU zählt noch den Countdown runter bis zum Anstoß am kommenden Freitag. Denn eigentlich hätte es dann zur Neuauflage des diesjährigen EM-Finales kommen sollen. Die Casa Arena in Horsens war bereits ausverkauft, alles angerichtet für die dänische Revanche des Vizeeuropameisters, für eine Neuauflage eines tollen Fußballspiels. Doch am Dienstag verkündete die Spielervereinigung, dass die Frauen nicht antreten werden – der Vizeeuropameister tritt in den Prämienstreit, solange die Honorare nicht erhöht werden.

Bis zum Sonntagabend konnten der dänische Verband DBU und die Spielervereinigung nach sechsmonatigen Verhandlungen keine Einigung erzielen, am Montag brach die DBU die Gespräche ab. Schon zuvor war das Team nicht zum Training unter dem neuen Coach Søren Randa-Bold erschienen, Nils Nielsen war nach der EM überraschend zurück getreten. Die DBU pocht darauf, dass der bestehende Vertrag bestehen bleibt, die EM-Prämien erhöht werden, auch Stipendien und ein Anteil der Ticketeinnahmen wurde angeboten.

Doch das Team kämpft für höhere Honorare – und mehr Gerechtigkeit. Es erfordert Mut, aber zeigt auch die Notwendigkeit, damit Fußballerinnen fairer behandelt werden. Im November vergangen Jahres hatten die US-Fußballerinnen eine Streik angedroht, auch sie kämpften für mehr Fairness, mehr Anerkennung und Gehälter, die denen der Männer angepasst werden sollten.

Die dänischen Spielerinnen haben ein Recht darauf, höhere Prämien zu verlangen. Spielführerin Pernille Harder vom deutschen meister VfL Wolfsburg sagte über die Spielabsage: „Das war nicht unser Wunsch. Es gab genug Zeit, eine Lösung zu finden.“ Nadia Nadim erklärte auf ihrem Instagram-Kanal, dass sie traurig und enttäuscht sei, sie sich auf das Heimspiel gegen den Europameister gefreut habe.

Doch nicht alle loben die Entscheidung der Spielerinnen zu streiken. Kritische Stimmen sehen die Sympathiewerte des Vizeeuropameisters sinken – am Ende könnte es ausschließlich Verlierer geben, der Imageschaden ist groß. Angeblich fordert die Spielervereinigung für zwei Jahre eine Erhöhung von 342 Prozent, nach Informationen dänischer Medien von 1,75 Millionen auf 7,74 Millionen Kronen, das entspricht etwas mehr als einer Millionen Euro; die Spielerinnen sollten vertraglich als Angestellte des Verbandes gelten. Der DBU hingegen bietet 48 Prozent mehr an, eine Steigerung auf 2,55 Millionen Kronen.

„Die Situation ist zutiefst problematisch – sowohl sportlich, wirtschaftlich als auch für alle im dänischen Frauenfußball“, sagte Kim Hallberg, Vizepräsident der DBU: „Wir können nicht einfach von einem Tag auf den anderen unsere Ausgaben in die Höhe treiben, wenn es kein entsprechendes Einkommen gibt. Deswegen können wir die Forderungen der Spielerinnen nicht erfüllen.“

Man darf gespannt sein, ob durch den Streik noch einmal Bewegung in die Verhandlungen kommt. Bereits am Dienstag beginnt für Dänemark die WM-Qualifikation gegen Ungarn. Noch ist unklar, ob die Spielerinnen antreten werden, der Verband stehe im Dialog mit UEFA und FIFA. Auch in den direkten Verhandlungen zwischen Spielerinnen – und Vertretern für die männliche U21 Dänemarks, die ebenfalls für höhere Prämien kämpfen – scheint es weiterzugehen. Wie das „Ekstrabladet“ berichtet, haben der der dänische Sportverband (DIF) und die Nationale Organisation Dänemarks (LO), die Dachorganisation für 18 Mitgliedsverbände, angeboten, als Vermittler zu fungieren.

Text: Paul Schönwetter
Foto: dänischer Fußballverband DBU

In : Allgemein
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