EM: Jones-Analyse nach der Vorrunde

Sint-Michielsgestel. Wer die Frauen-EM bislang in den Niederlanden verfolgt, hat festgestellt, dass der Trend im Frauenfußball zu einer vorsichtigen und gefestigten Defensivstrategie geht. Getreu dem Motto: Wer kein Gegentor kassiert, verliert auch nicht. Eine Art und Weise, mit der die deutsche Frauen-Nationalmannschaft bislang wenig zurechtkam –  gegen Italien und Russland. So ist Bundestrainerin Steffi Jones froh, am Samstag im Viertelfinale auf Dänemark (20.45 Uhr live ZDF und Eurosport) zu treffen. „Dänemark hat eine grundsätzlich offensivere Ausrichtung. Dänemark hat sehr schnelle Leute auf den Flügeln und Schlüsselspielerin Pernille Harder vorne, die in ihrer Spielweise sehr flexibel ist.“ Will heißen: Mehr Offensivszenen für die Zuschauer, aber auch wieder mehr Räume für die DFB-Frauen. Denn in allen 24 Vorrundenspielen fielen gerade einmal 53 Tore. Deutschland rumpelte sich durch die Gruppenphase, erzielte aus dem kein Tor heraus. Dabei fordert Jones von ihrem Team „offensiv zu denken, aber die Defensive nicht zu vergessen“.

Auch Topfavorit Frankreich zitterte sich mit einem Unentschieden gegen die Schweiz in die nächste Runde und der Finalist von 2013, Norwegen, schied als Gruppenletzter torlos aus. Die Favoriten überzeugten durchweg nicht, das englische Team einmal ausgenommen. In taktischer Diszipliniertheit und einfachem, direkten und effektiven Fußball wurden sie den Anforderungen gerecht, die sie bei der WM 2015 mit dem Dritten Platz an sich selbst gestellt haben. Das liegt sicher auch am extrem ehrgeizigen und perfektionistischen Trainer Mark Sampson. Solch einen Trainer haben nicht alle gehabt. Auch die Spanierinnen bestätigten mit ihrem Passspiel, warum sie als Geheimtipp eingestuft werden. Das Spiel zwischen beiden war eines der anspruchvollsten dieser Vorrunde, auch wenn den Ibererinnen die Effektivität komplett abgeht.

Die Leistungsdichte hat zugenommen, was bei fünf EM-Debütanten nicht unbedingt zu erwarten war. Die deutsche Bundestrainerin zeigt sich von einem möglichen Halbfinalgegner besonders angetan: Österreich. „Es hat mich nicht überrascht, dass sie weiterkommen, sie spielen einen erfrischenden Fußball“, erklärt die 44-Jährige. Das liegt auch daran, dass gleich 14 Spielerinnen in der deutschen Frauen-Bundesliga spielen. Anders als die bislang enttäuschenden Französinnen, von denen vielen bei Lyon unter Vertrag stehen, das die Liga dominiert und kaum gefordert wird. In Deutschland werden die Spielerinnen wie in England in einer starken Liga gefordert.

Gerade aber weil es fast nur – abgesehen von Schottlands 0:6-Auftaktniederlage gegen England – enge Spiele gab, ist die Aufstockung des Teilnehmerfeldes von zwölf auf 16 Teams gerechtfertigt. Anders als bei der Männer-EM vor einem Jahr oder der Frauen-WM 2015 in Kanada, als Teams wie die Elfenbeinküste, Ecuador oder Thailand regelmäßig viele Tore fingen und keineswegs an das Niveau der anderen herankamen, waren es in der Niederlande oft nur Nuancen, die über Sieg oder Niederlage entschieden.

Für Jones macht es das nicht einfacher, und doch ist sie guter Dinge, dass die Viertelfinals mehr Offensivfußball bringen. Indes läuft die Genesung der verletzten Svenja Huth weiter nach Plan. Es wäre für ein potentielles Halbfinale eine erfrischende Offensivoption für dieses Turnier.

Von Paul Schönwetter

Die Viertelfinal-Spiele im Überblick

Samstag, 29. Juli 2017, 18:00 Uhr in Doetinchem
Niederlande Niederlande Schweden Schweden -:- (-:-)
Samstag, 29. Juli 2017, 20:45 Uhr in Rotterdam
Deutschland Deutschland Dänemark Dänemark -:- (-:-)
Sonntag, 30. Juli 2017, 18:00 Uhr in Tilburg
Österreich Österreich Spanien Spanien -:- (-:-)
Sonntag, 30. Juli 2017, 20:45 Uhr in Deventer
England England Frankreich Frankreich -:- (-:-)
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